Saturday, 19 January 2019

Let's talk about sex, baby ♀ Part 1

Jede Feministin hat Themen, die ihr besonders am Herzen liegen. Die einen kämpfen besonders engagiert für die Lohngerechtigkeit, während andere sich stark gegen die momentane Abtreibungspolitik einsetzen - was jedoch nicht bedeutet, dass eines dieser Themen weniger wichtig wäre. Für mich persönlich ist das Thema Sexualität eine Herzensangelegenheit, von LGBT Themen, über die sexuelle Selbstverwirklichung der Frau. In meinem letzten Post hatte ich diese Problematik bereits angeschnitten, jedoch gibt es so viel, was es noch zu thematisieren gibt. Aus diesem Grund habe ich mich mit drei weiteren Mädels - nämlich Lilith, Selina von Hühnerwelt und Ann-So von Mein Weg zu Nachhaltigkeit und Selbstakzeptanz - zusammengetan, damit jede ihre eigene Auffassung von sexpositivem Feminismus darlegen kann.

Seit den Feminist Sex Wars in den 70er und 80er Jahren hält der Konflikt zwischen den sexpositive Feministinnen und Radikalfeministinnen an. Wie unschwer zu erkennen ist, identifiziere ich mich selbst als sexpositive Feministin. Meiner Auffassung nach ist die sexuelle Freiheit eine essenzielle Komponente beim Kampf um die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Frau. Es geht darum, dass eine Frau mit ihrem Körper tun und lassen kann, was sie möchte. Es bedeutet, dass ihr niemand sagen kann, was für sie in sexueller Hinsicht das Beste ist. Eine Frau sollte ihr Verlangen ausdrücken und ausleben können, ohne dafür stigmatisiert und verurteilt zu werden. Der sexuell positive Feminismus ist eine Bewegung zur Gewährleistung der Meinungs- und Willensfreiheit.

Ich bin in einem christlichen Umfeld aufgewachsen, in dem das Thema Sexualität kaum zur Sprache kam. Wenn es dann doch mal der Fall war, so schwebte stets eine unangenehme Stimmung in der Luft. Ich frage mich stets, wer eigentlich auf die Idee kam, dass Sex etwas Peinliches oder gar Schmutziges ist. Es ist nichts Unnatürliches, sondern ein Teil unserer Natur. Den Statistiken zufolge sind gerade mal 1% der Menschheit asexuell, haben dieses Verlangen also nicht. Wenn 99% der Bevölkerung de facto dieses Verlangen hat, wieso ist es dann etwas, worüber man nicht reden kann, ohne Scham zu verspüren? Und wieso ist es akzeptabel, wenn Männer darüber reden - bei Frauen jedoch nicht?

Besonders deutlich wird dies beim Thema Pornografie. Es wird stets behauptet, dass diese eine reine Männersache sei, was schlichtweg falsch ist. In den Diskussionen rund um Pornografie hört man besonders häufig, dass diese die Frauen degradieren würde. Meiner Meinung nach ist es allerdings genau das Gegenteil. Pornos sind viel mehr ein Medium zum Ausdruck weiblicher Sexualität. Die Ansichten vieler radikaler Feministinnen in Hinsicht auf Pornografie sind genauso repressiv wie die der patriarchalischen Ideologie. Indem behauptet wird, dass Frauen in Pornos nur als Männerfantasie fungieren und die Handlungen der Männer nur über sich ergehen lassen würden, wird das Verlangen der Frau komplett ignoriert und trivialisiert. Natürlich kann man pauschal nicht von allen sprechen, jedoch finde ich, dass Pornos in dem Sinne für die sexuelle Freiheit der Frau fungieren. Durch sie wird mit gewissen Vorurteilen - nämlich, dass Frauen Sex generell nicht mögen, nur auf Blümchensex stehen oder nur im Rahmen einer Beziehung Sex wollen würden, aufgeräumt. Viele Frauen haben mindestens genauso viel Spaß an sexuellen Handlungen, die nicht unbedingt der Norm entsprechen, wie Männer. Die Bandbreite der Filme ist groß, weshalb es falsch ist, zu pauschalisieren. So übernehmen Frauen auch mal die dominante Rolle, nicht immer nur die unterwürfige. Des Weiteren kann man Pornografie durchaus als body positive bezeichnen. Es wird eine Vielzahl an unterschiedlichsten Körpertypen geboten, die man so in der Mainstream Unterhaltung nicht findet. Ein besonders großes Problem liegt meiner Ansicht nach darin, dass Gegner von Pornografie gerne Sex Work und Sex Trafficking miteinander vermischen. Sex Work ist EINVERNEHMLICH, Sex Trafficking NICHT. Die Frauen, die sich entscheiden, bei solchen Produktionen mitzuwirken, entscheiden dies aus eigenem Willen. Sie sind Schauspielerinnen, denn sie spielen eine Rolle. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber ich rede selbstverständlich nicht von irgendwelchen dubiosen Produktionen. Des Weiteren finde ich es immer wieder aufs Neue lächerlich, wenn Porno-Gegner damit argumentieren, dass solche Filme die Konsumenten zu einer unnatürlichen und ungesunden Haltung zu Sex verleiten würden. Zum einen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass dies nicht der Fall ist und zum anderen wäre, wenn man dieser Argumentation Glauben schenken würde, das ja auch bei anderen Filmgenres der Fall. Sollte diese Behauptung nämlich der Wahrheit entsprechen, wäre es vielleicht klüger, zuerst Genres wie Horror, Splatter und Co. aus der Welt zu schaffen. Demnach würden folglich alle Horrorfans schließlich auch zu Mördern werden.

Wie bereits erwähnt, werden Frauen oft schon verurteilt, wenn sie offen mit dem Thema Sexualität umgehen und auch gerne darüber sprechen. So gilt eine Frau für viele bereits als Schlampe, wenn sie schon mehrere Sexualpartner hatte. Wenn ein Mann jedoch mit vielen Frauen schläft, gilt er als Weiberheld. Wo ist da bitte die Relation? Wieso werden Männer für das gleiche Verhalten gepriesen, während eine Frau schlecht gemacht wird? Es gibt darauf einfach keine logische Antwort. Tatsache ist, dass man als Frau mit zahlreichen Personen schlafen kann und trotzdem ein zu respektierender Mensch ist, ausnahmslos. Das eine schließt das andere nicht aus. Nur weil uns ein Y-Chromosom fehlt, heißt es nicht, dass unsere einzigen Gelüste darin bestehen, ans Stricken, Backen und den Haushalt denken. Als sexpositive Feministin finde ich natürlich auch umfassende Sexualerziehung und Unterricht notwendig, auch was Safer Sex angeht. Das Slut Shaming beginnt jedoch schon hierbei. So werden Mädchen bereits von ihrem Umfeld verurteilt, wenn sie sich Kondome kaufen. Erschreckenderweise vergessen viele Jugendliche heute auch, dass Kondome nicht nur zur Empfängnisverhütung wichtig sind. Dass Verhütung selbst unter lesbischen Paaren wichtig ist, wissen ebenfalls die wenigsten (dazu werden sogenannte Lecktücher genutzt, die beim Sex auf die Vulva gelegt werden). Es herrscht so viel Unwissenheit in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten, egal ob es HIV oder "nur" Herpes ist. Doch auch die Aufklärung selbst ist wichtig. Das Stigma um HIV ist besonders groß. So wissen die meisten nicht einmal, dass das HI-Virus unter Behandlung nicht übertragbar ist. Für mehr Informationen zum Thema HIV bitte hier klicken.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass für mich die sexuelle Selbstverwirklichung der Frau eng an meinen Glauben an die Gleichberechtigung von Frau und Mann gekoppelt ist. Aus diesem Grund sollten meiner Meinung nach alle einvernehmlichen sexuellen Aktivitäten zwischen Erwachsenen einfach akzeptiert bzw. respektiert werden. Es sollten keine moralischen Unterscheidungen zwischen den Arten der sexuellen Aktivitäten gemacht werden und persönliche Vorlieben sollten nicht diskutiert, geschweige denn tabuisiert werden. Leider ist das alles zu diesem Zeitpunkt noch eine utopische Zukunft, weshalb wir Frauen weiter kämpfen müssen - für unser Recht, uns von jeglichen Stigmata zu befreien.

Wie bereits erwähnt, ist dieser Blogeintrag eine Kollaboration zwischen mehreren Feministinnen. Falls euch dieser Beitrag gefallen hat, geht es hier zu den Posts der anderen Mädels:

Lilith - Let's talk about sex, baby ♀ Part 2
Hühnerwelt - Meine Gedanken über... Feminismus
Mein Weg zu Nachhaltigkeit und Selbstakzeptanz - Über die "Schlampenlogik" und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen

Quote of the Day:  "I want everybody to get fucked, all night, everyday, just like I do." -Freddie Mercury

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