Jede Feministin hat Themen, die ihr besonders am Herzen liegen. Die
einen kämpfen besonders engagiert für die Lohngerechtigkeit, während
andere sich stark gegen die momentane Abtreibungspolitik einsetzen - was
jedoch nicht bedeutet, dass eines dieser Themen weniger wichtig wäre.
Für mich persönlich ist das Thema Sexualität eine Herzensangelegenheit,
von LGBT Themen, über die sexuelle Selbstverwirklichung der Frau. In
meinem letzten Post hatte ich diese Problematik bereits angeschnitten,
jedoch gibt es so viel, was es noch zu thematisieren gibt. Aus diesem
Grund habe ich mich mit drei weiteren Mädels - nämlich Lilith, Selina von Hühnerwelt und Ann-So von Mein Weg zu Nachhaltigkeit und Selbstakzeptanz - zusammengetan, damit jede ihre eigene Auffassung von sexpositivem Feminismus darlegen kann.
Seit
den Feminist Sex Wars in den 70er und 80er Jahren hält der Konflikt
zwischen den sexpositive Feministinnen und Radikalfeministinnen an. Wie
unschwer zu erkennen ist, identifiziere ich mich selbst als sexpositive
Feministin. Meiner Auffassung nach ist die sexuelle Freiheit eine
essenzielle Komponente beim Kampf um die Gleichberechtigung und
Selbstbestimmung der Frau. Es geht darum, dass eine Frau mit ihrem
Körper tun und lassen kann, was sie möchte. Es bedeutet, dass ihr
niemand sagen kann, was für sie in sexueller Hinsicht das Beste ist.
Eine Frau sollte ihr Verlangen ausdrücken und ausleben können, ohne
dafür stigmatisiert und verurteilt zu werden. Der sexuell positive
Feminismus ist eine Bewegung zur Gewährleistung der Meinungs- und
Willensfreiheit.
Ich bin in einem christlichen Umfeld
aufgewachsen, in dem das Thema Sexualität kaum zur Sprache kam. Wenn es
dann doch mal der Fall war, so schwebte stets eine unangenehme Stimmung
in der Luft. Ich frage mich stets, wer eigentlich auf die Idee kam, dass
Sex etwas Peinliches oder gar Schmutziges ist. Es ist nichts
Unnatürliches, sondern ein Teil unserer Natur. Den Statistiken zufolge
sind gerade mal 1% der Menschheit asexuell, haben dieses Verlangen also
nicht. Wenn 99% der Bevölkerung de facto dieses Verlangen hat, wieso ist
es dann etwas, worüber man nicht reden kann, ohne Scham zu verspüren?
Und wieso ist es akzeptabel, wenn Männer darüber reden - bei Frauen
jedoch nicht?
Besonders deutlich wird dies beim Thema
Pornografie. Es wird stets behauptet, dass diese eine reine Männersache
sei, was schlichtweg falsch ist. In den Diskussionen rund um Pornografie
hört man besonders häufig, dass diese die Frauen degradieren würde.
Meiner Meinung nach ist es allerdings genau das Gegenteil. Pornos sind
viel mehr ein Medium zum Ausdruck weiblicher Sexualität. Die Ansichten
vieler radikaler Feministinnen in Hinsicht auf Pornografie sind genauso
repressiv wie die der patriarchalischen Ideologie. Indem behauptet wird,
dass Frauen in Pornos nur als Männerfantasie fungieren und die
Handlungen der Männer nur über sich ergehen lassen würden, wird das
Verlangen der Frau komplett ignoriert und trivialisiert. Natürlich kann
man pauschal nicht von allen sprechen, jedoch finde ich, dass Pornos in
dem Sinne für die sexuelle Freiheit der Frau fungieren. Durch sie wird
mit gewissen Vorurteilen - nämlich, dass Frauen Sex generell nicht
mögen, nur auf Blümchensex stehen oder nur im Rahmen einer Beziehung Sex
wollen würden, aufgeräumt. Viele Frauen haben mindestens genauso viel
Spaß an sexuellen Handlungen, die nicht unbedingt der Norm entsprechen,
wie Männer. Die Bandbreite der Filme ist groß, weshalb es falsch ist, zu
pauschalisieren. So übernehmen Frauen auch mal die dominante Rolle,
nicht immer nur die unterwürfige. Des Weiteren kann man Pornografie
durchaus als body positive bezeichnen. Es wird eine Vielzahl an
unterschiedlichsten Körpertypen geboten, die man so in der Mainstream
Unterhaltung nicht findet. Ein besonders großes Problem liegt meiner
Ansicht nach darin, dass Gegner von Pornografie gerne Sex Work und Sex
Trafficking miteinander vermischen. Sex Work ist EINVERNEHMLICH, Sex
Trafficking NICHT. Die Frauen, die sich entscheiden, bei solchen
Produktionen mitzuwirken, entscheiden dies aus eigenem Willen. Sie sind
Schauspielerinnen, denn sie spielen eine Rolle. Natürlich bestätigen
Ausnahmen die Regel, aber ich rede selbstverständlich nicht von
irgendwelchen dubiosen Produktionen. Des Weiteren finde ich es immer
wieder aufs Neue lächerlich, wenn Porno-Gegner damit argumentieren, dass
solche Filme die Konsumenten zu einer unnatürlichen und ungesunden
Haltung zu Sex verleiten würden. Zum einen kann ich aus eigener
Erfahrung sagen, dass dies nicht der Fall ist und zum anderen wäre, wenn
man dieser Argumentation Glauben schenken würde, das ja auch bei
anderen Filmgenres der Fall. Sollte diese Behauptung nämlich der
Wahrheit entsprechen, wäre es vielleicht klüger, zuerst Genres wie
Horror, Splatter und Co. aus der Welt zu schaffen. Demnach würden
folglich alle Horrorfans schließlich auch zu Mördern werden.
Wie
bereits erwähnt, werden Frauen oft schon verurteilt, wenn sie offen mit
dem Thema Sexualität umgehen und auch gerne darüber sprechen. So gilt
eine Frau für viele bereits als Schlampe, wenn sie schon mehrere
Sexualpartner hatte. Wenn ein Mann jedoch mit vielen Frauen schläft,
gilt er als Weiberheld. Wo ist da bitte die Relation? Wieso werden
Männer für das gleiche Verhalten gepriesen, während eine Frau schlecht
gemacht wird? Es gibt darauf einfach keine logische Antwort. Tatsache
ist, dass man als Frau mit zahlreichen Personen schlafen kann und
trotzdem ein zu respektierender Mensch ist, ausnahmslos. Das eine
schließt das andere nicht aus. Nur weil uns ein Y-Chromosom fehlt, heißt
es nicht, dass unsere einzigen Gelüste darin bestehen, ans Stricken,
Backen und den Haushalt denken. Als sexpositive Feministin finde ich
natürlich auch umfassende Sexualerziehung und Unterricht notwendig, auch
was Safer Sex angeht. Das Slut Shaming beginnt jedoch schon hierbei. So
werden Mädchen bereits von ihrem Umfeld verurteilt, wenn sie sich
Kondome kaufen. Erschreckenderweise vergessen viele Jugendliche heute
auch, dass Kondome nicht nur zur Empfängnisverhütung wichtig sind. Dass
Verhütung selbst unter lesbischen Paaren wichtig ist, wissen ebenfalls
die wenigsten (dazu werden sogenannte Lecktücher genutzt, die beim Sex
auf die Vulva gelegt werden). Es herrscht so viel Unwissenheit in Bezug
auf sexuell übertragbare Krankheiten, egal ob es HIV oder "nur" Herpes
ist. Doch auch die Aufklärung selbst ist wichtig. Das Stigma um HIV ist
besonders groß. So wissen die meisten nicht einmal, dass das HI-Virus
unter Behandlung nicht übertragbar ist. Für mehr Informationen zum Thema
HIV bitte hier klicken.
Zusammenfassend
kann ich sagen, dass für mich die sexuelle Selbstverwirklichung der
Frau eng an meinen Glauben an die Gleichberechtigung von Frau und Mann
gekoppelt ist. Aus diesem Grund sollten meiner Meinung nach alle
einvernehmlichen sexuellen Aktivitäten zwischen Erwachsenen einfach
akzeptiert bzw. respektiert werden. Es sollten keine moralischen
Unterscheidungen zwischen den Arten der sexuellen Aktivitäten gemacht
werden und persönliche Vorlieben sollten nicht diskutiert, geschweige
denn tabuisiert werden. Leider ist das alles zu diesem Zeitpunkt noch
eine utopische Zukunft, weshalb wir Frauen weiter kämpfen müssen - für
unser Recht, uns von jeglichen Stigmata zu befreien.
Wie
bereits erwähnt, ist dieser Blogeintrag eine Kollaboration zwischen
mehreren Feministinnen. Falls euch dieser Beitrag gefallen hat, geht es
hier zu den Posts der anderen Mädels:
Lilith - Let's talk about sex, baby ♀ Part 2
Hühnerwelt - Meine Gedanken über... Feminismus
Mein Weg zu Nachhaltigkeit und Selbstakzeptanz - Über die "Schlampenlogik" und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen
Quote of the Day: "I want everybody to get fucked, all night, everyday, just like I do." -Freddie Mercury
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