Ein Thema, das mir schon länger auf der Zunge brennt, ist die Sexualität der Frau und die Weise, wie sie in unserer Gesellschaft als etwas Verwerfliches angesehen wird. Manchmal frage ich mich, ob eine Frau überhaupt etwas tun kann, ohne dafür sexualisiert und verachtet zu werden. Aber fangen wir von vorne an.
Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Sprache eine Männersprache ist. In jeglichen Texten wird das generische Maskulinum genutzt. Nachdem die Universitäten Leipzig und Potsdam dieses Jahr beschlossen hatten, das generische Femininum in ihren Schriftsätzen einzusetzen, war der Großteil der Reaktionen negativ. Natürlich - es sei ja ein Ding der Schande, würde ein Mann mit einem weiblichen Nomen beschrieben werden. Welch Schmach! Nun, dass genau der umgekehrte Fall für uns Frauen schon seit Anbeginn Realität ist, scheint die "Herren der Schöpfung" jedoch recht wenig zu interessieren. Weitere Beispiele für die Frauenfeindlichkeit in der deutschen Sprache sind u.a. herrlich und dämlich. Selbst bei Beleidigungen, die sich gegen Männer richten, werden stets Frauen angegriffen. Hurensohn ist nur ein weiteres Beispiel hierfür. Vor einiger Zeit hatte ich einen interessanten Artikel von Huffingtonpost gelesen, in dem es um Schamlippen ging. Das Wort an sich drückt bereits eine unterdrückte Sexualität aus. Denn es gibt kein Körperteil, wofür man sich auch nur ansatzweise schämen müsste. Da frage ich mich ein weiteres Mal - wieso gibt es das denn nur bei Frauen? Wieso haben Männer keine Schameichel oder Schamhoden?
Ein weiteres Problem stellen weibliche Brustwarzen dar. Im Fernsehen wird man regelrecht von männlichen Brustwarzen überrumpelt - in der Werbung, in Serien, in Filmen. Sowohl weibliche, als auch männliche Brustwarzen sind nichts, wofür man sich schämen müsste oder was man vor Kinderaugen verstecken müsste. Wieso sind weibliche solch ein Tabu, ja ein regelrechter Skandal? Selbst beim Stillen werden sie sexualisisert, Herr Gott, selbst Videos zur Brustkrebsvorsorge werden wegen Pornografie in sozialen Netzwerken gelöscht, obwohl sie auf ein ernstes und schwerwiegendes Problem aufmerksam machen. Wozu das Ganze?
Die Diskriminierung weiblicher Sexualität ist tief in unserer Gesellschaft verankert. Möchte eine Frau keinen Sex, ist sie prüde. Möchte sie ihn, ist sie eine Hure, Schlampe, Nutte. Die Liste der Beleidigungen für den gleichen Sachverhalt ist lang. Mit diesen Beleidigungen wird stets das ein und dasselbe gemeint und stets wird die Selbstbestimmung der Frau in Bezug auf ihre Sexualität dadurch angegriffen. Während Männer stolz verkünden dürfen, wie viele unterschiedliche Frauen sie bereits "geknallt" haben, werden Frauen bereits degradiert, wenn sie auch nur mit einem Mann "zu früh ins Bett gehen". Ich werde niemals verstehen, wieso zwischen den beiden Geschlechtern solch unterschiedliche Maßstäbe gezogen werden. Besonders schlimm empfinde ich das Prinzip der Friend Zone. Es gibt Männer, die sich einbilden, rechtmäßige Chancen auf den Körper einer Frau zu besitzen, nur weil sie eine Zeit lang nett zu ihr waren. Ich möchte mal etwas klarstellen: Mann kann einer Frau die Sterne vom Himmel holen und trotzdem - women don't owe you shit. Wenn Männer den Begriff der Friend Zone nutzen, implizieren sie automatisch, dass sie die Frauen für ihr Recht, nein zu sagen, verurteilen. Ein absolutes Arschlochverhalten, wenn man mich fragt. Doch kommen wir zurück zum Thema.
Mädchen wird beigebracht, dass Sex etwas Schlechtes sei. Da ist alleine schon dieser Begriff der Jungfräulichkeit, der mich wahnsinnig stört. Selbst heute scheinen viele der festen Überzeugung zu sein, dass ein Mädchen, sobald sie "ihre Unschuld verliert" weniger wert sei. Als wäre der Wert eines Mädchens daran zu messen, ob sie ein kleines Stückchen Haut noch besitze oder nicht - denken diese Menschen denn, dass man den Wert eines Mädchens oder einer Frau wie den eines Viehs schätzen kann? Doch was soll man erwarten. Selbst die heilige Muttergottes Maria wird darauf reduziert, dass sie Jungfrau war. Sex ist etwas, das Frauen genießen sollen. Es ist nichts Verwerfliches, nichts, wovor sie Angst haben sollten und Jungfräulichkeit ist einfach nur ein soziales, veraltetes Konstrukt.
Das wohl größte Tabuthema für Frauen scheint jedoch bis heute die Selbstbefriedigung zu sein. Was für Männer anscheinend absolut normal ist, ist unter vielen Frauen noch ein Thema, was bei vielen ein Schamgefühl und Unwohlsein hervorruft. Obwohl die meisten Frauen eine haben, wissen sie sicherlich nicht mal alles über sie: die Vagina. Als ich in der Schule Sexualunterricht hatte, war ich wahrscheinlich danach genauso unwissend wie davor, dabei gibt es so vieles, was man wissen sollte. Wofür ist die Klitoris da? Was hat es mit dem G-Punkt auf sich? Wie pflegt man die Vagina richtig? Es brachte mir nichts, alle Bestandteile eines Penis aufzählen zu können, was sich jedoch in meinem eigenen Körper abspielt, hätte mich mit Sicherheit interessiert. Ich frage mich schon seit Jahren, warum dieses Thema eigentlich solch ein großes Tabu darstellt. Das Verlangen ist das wohl natürlichste auf der Welt und doch wird es von vielen Frauen verschwiegen. Heutzutage ist es zumindest unter Mädels in meinem Alter besser geworden - viele sind offener, scheuen sich nicht mehr, ihre Bedürfnisse zu benennen. Das liegt sicherlich auch daran, dass in den letzten Jahren die Werbung für Sex-Toys im TV zugenommen hat und diese somit akzeptabler wurden. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch zu viel Schweigen, was dieses Thema angeht. Selbstbefriedigung bedeutet auch, mit sich im Reinen zu sein. Zu wissen, was der Körper braucht.
Zu guter Letzt noch das Thema Pornos. Ob sie moralisch vertretbar sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Schwachsinnig ist jedoch die Annahme, dass Frauen daran auch keinen Gefallen finden würden. Jeder muss selbst wissen, was er braucht. Die einen machen sich schöne Gedanken, die anderen brauchen es visuell. Davon auszugehen, dass dies eine reine Männersache sei, ist einfach nur falsch.
Ich könnte mich noch ewig weiter über dieses Thema ärgern und solange schreiben, bis ich einen Krampf in den Händen verspüre, doch hier mache ich mal einen Punkt. Es werden in Zukunft sicherlich noch weitere Rants zum Thema Feminismus folgen, von daher bis zum nächsten Mal.
Quote of the Day: "We are more than just our bodies, but that doesn't mean we have to be shamed for them or our sexuality." -Emily Ratajkowski
Du bringst es auf den Punkt. Natürlich werden auch Männer in vielen Bereichen durch Vorurteile an vielem gehindert, was sie gerne tun würden, aber ich finde besonders in der Sprache ist die Diskriminierung uns Frauen gegenüber nicht mehr vertretbar und hätte es auch nie sein dürfen. Ich hab erst vor kurzem ein Buch gelesen in dem auch der beleidigende Gebrauch von "Fotze" angesprochen wird. Der Hauptcharakter sagt dazu, sie würde das gar nicht als Beleidigung sehen. Fotze bezeichnet Vagina und in ihrem Fall wäre es damit nur ein anderes Wort für "Nicht leicht zu ficken" und daher nehme sie das Wort als Kompliment. Ich finde, so sollte man als Frau auch vorgehen, man muss die schlechte Bedeutung rausnehmen, um sie auch komplett loszuwerden. Das hilft nicht bei allem, aber kleine Schritte führen am Ende auch zum Ziel. Ich bin froh, dass momentan in unserer Gesellschaft ein Umdenken stattfindet. Natürlich werden dadurch auch die Stimmen der Idioten lauter, aber man muss sich auch mit solchen Leuten austauschen, ohne Austausch lernt schließlich nie jemand was dazu.
ReplyDeleteIch finde deine Posts zum Thema Feminismus jedenfalls sehr toll und bin schon auf weitere gespannt.
Vielen Dank für deinen Kommentar! Dem kann ich nur zustimmen. Leider wird das Thema mit der Diskriminierung in der Sprache von den meisten nur belächelt, was mich tierisch nervt. Ich bin aber auch dafür, dass man den Beleidigungen die schlechte Bedeutung nimmt und sie in etwas gutes verwandelt. Das haben unsere Vorkämpferinnen ja auch schon mit "Bitch" gemacht oder "Pussy" bewiesen. Zugegeben, das Wort Fotze finde ich schrecklich. Dieses "tz" hört sich in meinen Ohren immer so schlimm an, aber das ist wohl Geschmackssache.
DeleteVom Prinzip her bin ich auch für den Austausch beider Parteien. Leider habe ich aber auch schon viel zu oft schlechte Erfahrungen mit solchen.. lass sie mich Schlauköpfe nennen, gehabt. Das endet leider meistens mit Beleidigungen. Manchmal allerdings, wenn auch sehr selten, kommt es auch zum Umdenken ihrerseits, deshalb lohnt sich das Gespräch und werde ich auch nicht aufhören.
Vielen lieben Dank, das freut mich sehr! 💖